Kozaki Seminar Oktober 2012

Nachdem ich knapp ein Jahr lang die Kozaki-Seminare geschwänzt habe, bin ich zum letzen im Oktober mal wieder angetanzt. Mit am Start waren auch noch 3 Würzburger die bei mir genächtigt haben.

Leider war ich nicht ganz auf der Hähe, da ich noch im „Gesundwerden“ einer heftigen Mandelentzündung war, doch ich möchte betonen, wie geil es doch ist an einem Lehrgang in seinem eigenen Bett schlafen zu können! Welch Luxus 😀

Am Seminartag selbst (Samstag) war leider ein Großteil der üblichen Verdächtigen nicht anwesend, da zur gleichen Zeit die SWKenV-Meisterschaft statt fand. Ironischer Weise war das Thema des Lehrgangs unter dem Motto Shiai gestanden, was sicherlich als Ausgleich für die nicht-Kämpfer gedacht war. Nebst der üblichen Basis-Technik versteht sich.

Da kommen wir gleich zu zwei fatalen Punkten:
1. Kirikaeshi wie ich es Jahrelang lernte und mache scheint falsch zu sein
2. Tenouchi wie ich es seit Jahren lernte und mache scheint falsch zu sein

Wenn einem jahrelang von allen erzählt wird, man soll beim Kirikaeshi wieder gerade ausholen vor dem nächsten Schlag, dann ist es schon verblüffend, wenn es auf einmal heißt: aber jetzt machen wir Kiri anders… Also steigen wir um auf den Hubschraubermodus 😀
Bin aber mal gespannt, was ich auf dem nächsten möglichen Lehrgang dann so darüber höre?!

Ich habe mir extra von Anfang an angewöhnt, mein Tenouchi mit den kompletten Strecken meiner Arme auszuführen. Fühlt sich Klasse an, man gewinnt paar Zentimeter Reichweite und vieles anderes. Blöd wenn einem dann gesagt wird, dass es zu nichts führen wird und man es sich abgewöhnen muss. Statt dessen lieber die Ellenbogen leicht geknickt lassen und das Tenouchi mehr mit den Händen ausführen. Gut – die Physiologischen Argumente sind mehr als einläuchtend und ich werde mich umgewöhnen. Dann wäre ich aber auch froh, wenn man das den Leuten von Anfang an erzählen würde, damit sie sich nix falsches einschleifen. Bin mal gespannt wie viele Jahre ich jetzt dafür brauche 😀

Soviel zu meinen persönlichen Sachen… Kommen wir zum eigentlichen Inhalt über das Shiai. Ich habe ihn in drei große Bereiche aufgeteilt:
1. Die Kampffläche
2. Die erbrachte Leistung
3. Der Ippon im Shiai

Die Kampffläche
Es scheint, dass wir Deutsche (ich verallgemeinere jetzt einfach mal) viel zu Häufig Punkte verschenken, da wir aus dem Ring treten. Dies mag von zwei Punkten her rühren:
1. Die Kampffläche wird nicht bewusst mit in dem kampf miteinbezogen. Man ist sich viel zu wenig bewusst wann man sich wo befindet.
2. Schon beim Jigeiko gewöhnt man sich an, viel zu viel Platz zum kämpfen zu benutzen.

Ein sehr schöner Tipp war meines Erachtens die Projektion der Kampfläche auf die Spitze einer Stufenpyramide zu stellen:
kendo pyramide

Man müsse sich vorstellen, dass das Hinaustreten unmittelbar von einem Herunterfallen von der Pyramide gleichzusetzen ist. Erstens möchte sich keiner die damit verbundnenen Schmerzen zufügen und deshalb immer achtsam auf die Grenzen sein und zweitens möchte sich auch niemand die Blöße und Scham geben, die damit verbunden wäre.
Auf diese Art soll man versuchen die Fläche immer bewusst im Kopf zu haben, und auch darauf zu achten, wann man sich selbst wo befindet.

Die erbrachte Leistung im Kampf
Hier geht es um die eigene persönliche körperliche und auch geistige Leistung, die man in den 2/3/5 Minuten eines Shiais erbringen muss/sollte und kann. Ich beginne mal mit der Grafik:
kendo leistung ueber zeit
Ausgehend vom optimalen Leistungsverhalten (grüne Linie) gibt es generell drei Arten der Leitungsänderung in einem Kendo Shiai:
1. Das normale Leistungsverhalten (blaue Line):
Man beginnt in recht guter Verfassung, zeigt Einsatz und Herz, doch nach einiger Zeit wird ein Leistungsabfall sichtbar/deutlich. Das kann verschiedene Gründe haben; man kann das gegnerische Kamae nicht zerstören, Seme scheint wirkungslos, Gegner landet Punkt und man liegt zurück und vieles mehr. An diesem Punkt ist es enorm wichtg, sich nicht körperlich und geistig weiter abfallen zu lassen, sondern um jeden Preis wieder das Maximalniveau anzustreben. dies ist nicht nur entscheidend zum Gewinnen des Kampfes, sondern auch essenziell zum eigenen Fortschritt im Kendo!
2. Ein schlechter Start (gelbe linie)
Hatte sicher jeder schon mal. Vorher schlecht geschlafen; zu viel getrunken; was es nicht alles gibts in der Kendowelt… Wichtig ist hier, den Gegner nicht durch sein scheinbar höheres Niveau dominieren lassen. Es gilt schnell aufzuwachen und spätestens nach dem Kassieren eines Treffers sollten die Alarmglocken läuten und die Post abgehen. Hat man solch einen schlechten Start kann man nur eines tun: von Beginn an das Niveau immer weiter zu steigern und auf KEINEN FALL wieder absinken zu lassen.
3. Schlechte konzentration und/oder Ausdauer
Ich denke, dies ist auch jedem Kendoka geläufig. Jeder hat mal einen ganz miesen Tag und gerade Anfänger im Kendo begegnen in den ersten Shiais solchen Leistungskurven. Man beginnt hoch motiviert mit vollem Elan, nur um kurz darauf festzustellen, dass der andere viel stärker/besser ist, man nach drei Schlägen keine Puste mehr hat, oder der andere einem schon nach einer Sekunde einen Men reidrückt. Fängt man an diesem Punkt auch noch an, unsicher zu werden oder darüber nachzudenken, deht die eigene Leistung immer weiter in den Keller. Besonders schlimm ist es, dass der Gegner dies selbst auch mitbekommt, und es ihm so noch leichter fällt, den Kampf zu dominieren als sowieso schon.

Der Ippon im Shiai

Ein gültiger Ippon im Shiai besteht aus vier Teilen:
1. dem Kamae (der eigenen Haltung)
2. dem Seme (dem Ausüben von Druck aud den Gegner)
3. der Waza (der eigentlichen Schlagttechnik)
4. dem Zanshin (dem zur Schau stellen der eigenen Überzeugung)

Punkte 1,3 und 4 werden in Deutschland in der Regel oft gut im regulären Training vermittelt, doch oft hinterlässt das Wort Seme ein großes Fragezeichen bei den Kenshis. Jeder erzählt was anderes, keiner kann es genau erklären, und doch haben alle recht. Immer wieder komisch. Hier wurde die Beschreibung „Überrumpeln des Gegners“ gewählt, was recht gut aussagt, worum es geht wie ich selbst finde.
Kozaki sprach nicht selbst das Seme an, sondern sehr viel mehr die Gelegenheiten, in denen man einen Gegner im Shiai „überrumpeln“ kann, was einen schönen Praxisbezug zum Seme zeigt. Er nannte fünf dieser Gelegenheiten:

[ACHTUNG! IN MEINEN AUFZEICHNUNGEN FEHLEN LEIDER ZWEI DIESER PUNKTE – WERDEN BALD MÖGLICHST NACHGEREICHT]

1. ?
2. ?
3. Kurz nachdem der Gegner seine eigene Technik beendet hat (sprich wenn er sich umdreht).
4. Wenn der Gegner die Konzentration/Spannung verliert (etwa beim Luftholen oder unaufmerksam werden).
5. Wenn der Gegner blinzelt (kleiner Scherz von Ueda Sensei; so schnell dürfte wohl keiner sein…).

Abgerundet von einer Stunde Jigeiko alles in allem wieder ein sehr schönes Seminar mit gutem Input. Freue mich schon auf das nächste im Dezember!

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