Kozaki Seminar, Dezember 09

So, endlich mal wieder einen vernüftigen Bericht verfassen; tut mir ja leid, dass das in letzter Zeit so geschliffen hat, aber es war echt viel zu tun auf Arbeit und Co., da hatte ich auch nicht mehr die Lust mich abends hin zu setzen.

Also… letztes Wochenende habe ich es seit Monaten mal wieder nach Mainz zum Kozaki-Seminar geschafft – das letzte im Jahr 2009. Auf jeden Fall war es wie immer sehr lehrreich und ich habe auch viele alte Bekannte wieder getroffen.

Dieses mal lief es auch auf der Hinfahrt recht gut. Kein Stau, kein schlechtes Wetter und zügig sind wir auch vorran gekommen. Clemens, Manu, Hans, und ich haben uns wieder an die Mainzer Uni gewagt und sind sogar alle wieder heil zurück gekommen – wenn auch etwas langsamer durch den Schnee auf dem Rückweg.

Ankunft: Uni Mainz – Sportfechtsaal
Zeitpunkt: sehr sehr viel zu früh
(normalerweise standen wir bis jetzt jedes mal im Stau weshalb wir wohl alle selbst überrascht waren)

Erstes Training am Freitag Abend war schon ziemlich gut, bis auf die Tatsache, dass ich mit der linken Ferse gleich beim allerersten Kirikaeshi auf die abstehende Kante am Dojorand getreten bin. Tut immer noch höllisch weh beim normalen laufen, aber ich muss sagen: beim kendo hat es konsequent daran erinnert, dass die linke Ferse nix am Boden verloren hat.

Beim Training wurde auch das Lehrgangsthema vorgestellt: Seme Men.
Nahezu göttlich, da das auch seit ein paar Wochen unser Thema im eigenen Dojo ist und wir alle merkten, das genau dort unser Defizit liegt.

Leider gab es diesmal keine wiederholung des letzten Seminars. Ich gebe offen und ehrlich zu: eigentlich wollte ich unbedingt nach Mainz, da ich das letzte Seminar verpasst hatte und ich auch auf der DMM so gnadenlos auf den Jodan-Kämpfer rein gefallen bin.

ABER wie gesagt – keine Wiederholung. Dafür wirklich schöne Abstands- und Schlagübungen eben für die Mentechniken.

Nach dem Training gab es erst mal eine geile kalte Dusche, bei der sich sogar Kozaki Sensei mit Kiai unter das Wasser kämpfen musste. Wie immer wurden wir gleich danach abkassiert als wären wir Schwerverbrecher, welche berühmtberüchtigt dafür sind, alle Kendoseminare so schnell wie möglich ohne zu zahlen zu verlassen. Nicht, dass mich das jetzt stören würde, aber falls der Kassenwart zufällig BWL studieren sollte: so schafft man keine langfristigen Geschäftsbeziehungen – niemand steht auf Vorkasse.

Als wir den Crispin dann ordnungsgemäß im Auto verstaut hatten gab es auch wieder den obligatorischen Döner. War ziemlich klein und unbefriedigend dieses mal, aber ich hatte auch nicht so viel Geld mit; irgendwo muss man ja Abstriche machen. Dann gab es noch paar Bierchen im Leyenhof bevor wir uns dann etwas um 1 Uhr pennen legten. Zu unserem Glück hatte sich die Holländer schon alle Matten und Unterlagen genommen und schliefen schon. Im diesem Punkt bin ich mir wohl mit Hans einig: selten haben wir so unbequem geschlafen als mit Schlafsack auf bloßem Parkett. Ich war richtig froh, dass ich aufstehen durfte morgens – obwohl ich der größte Morgenmuffel bin (Anmerkung: Bill [Anmerkung-Anmerkung: Pieplenbosch] wurde gleich vorsorglich in Franks Privatkammer ausgelagert und alle waren erleichtert darüber).

Das Vormittagstraining bestand erst mal aus viel Fußarbeit und letztendlich den vielen Techniken und Vorbereitungen für die Seme-Men Technik. Eigentlich gab es nur gute Sachen, aber um auch Kozaki Senseis Hauptaugenmerke hervorzuheben hab ich mich mal versucht künstlerisch zu betätigen:

1) Die richtige Körperspannung

Das, was mir mit Abstand am meisten gebracht hat, dieses Wochenende. Endlich hat mir mal jemand mit vernünftigen Worten, die ich auch verstehe, erklärt worauf es bei der Körperspnnung beim Seme ankommt. Bei uns daheim heißt es immer: Feder spannen und los schießen lassen. Schön und gut, aber jetzt hab ichs kapiert 🙂 Was zumindest für mich ganz gut funktieriert ist, die schultermuskeln auch noch mit den Rückenmuskeln zu unterstützen, um nicht nur den Schulterbereich, sondern den ganzen Oberkörper bis zur Hüfte wie einen Bogen zu spannen um ihn dann nach vorne peitschen zu lassen. Auf jeden Fall ist die Aussage der Zeichnung, dass beim Seme nicht nur mit den Füßen gearbeitet werden soll, sondern auch der Bauchnabel, also die Hüfte ein paar cm dem Gegner entgegen „gepresst“ wird, um die Körperspannung aufzubauen. Hat sich in den Übungen ziemlich gut und richtig angefühlt; es im Shiai umzusetzen war recht schwer. Aber kommt Zeit kommt Rat, nicht wahr…

2) Die richtige Fußarbeit

Kurzer aber knackiger Punkt:
Wie vielen von uns bestimmt aufgefallen ist, kommt es das ein oder andere mal vor, dass eine Gelegenheit da ist, man auch halbwegs vernünftig schlägt, aber dann im Moment des Auftreffens leicht abrutscht, was den Treffer natürlich immens abwertet. Das ist, weil wir oft nicht schön sauber oder mittig schlagen wie wir denken. Oft geht unser Fuß für das Fumikomi sogar leicht nach Aussen. Zwar durchaus erwünscht bei zum Beispiel Men-Nuki-Men, aber nicht bei einer schönen Seme-Men Technik. Beheben läßt sich dies durch versetzen des Fumikomis mehr zur Mittellinie hin um sicher zu stellen, dass wir auch selber in unserer eigenen Mitte sind, und nicht schon von vorne herein aussen herum laufen.

3) Das richtige Schlagziel

Das hier hören wir ständig, überall, von jedem immer und wieder. Anscheinen weil wir es uns einfach nicht merken können. Ein weiterer Grund, warum unsere Schläge das eine oder andere Mal abrutschen, ist, dass wir das falsche Ziel anvisieren. Um einen gut klingenden, sauberen Treffer zu erhalten, dürfen wir nicht den Men an sich als Ziel anvisieren. Vielmehr sollte man die Augen und Nase also zu erreichenden Punkt wahrnehmen und noch die verbleibenden 5-10 cm entsprechend beachten, um so die nötige Power für einen kleinen, aber trotzdem gut klingenden Ippon zu erlangen.

Soviel zu den 3 Hauptpunkten. Etlich Randnotizen werde ich ergänzen, wenn ich es mal wieder schaffe, das Notizbuch zu aktualisieren.

Nachmittags gabs noch Kihon Kata sowie ein paar Kontertechniken (Suriage, Nuki, Kaeshi) bevor es dann wieder zum Layenhof ging, um die Weihnachtsfeier zu starten. Zum Glück wurde ich von niemandem gezwungen tatsächlich Karaoke zu singen. Feier war recht gut, viel leckeres Essen und Bier sowie einen Haufen nette Leute. Auch einige, die ich noch nicht kannte.

Die Nacht war wieder grausam. Zwar habe ich auf den beiden Judomatten im vergleich zum Vortag wie auf Federn gelegen, aber Einbildung ist auch eine Bildung, nicht wahr…

Sonntag Morgen… Tunier… Wie ich es hasse… Immer das gleiche im Kendo. Aber es gehört wohl dazu sich anzutrainieren einfach aus dem nichts bzw. Schlaf heraus ein Shiai starten zu können.

Hans hatte beim ersten Kampf noch geschlafen. Ich habe es genau an seinem Kiai gehört. Danach bin ich zu ihm und hab ihn gefragt, ob er nicht aufwachen will und dann hat er doch tatsächlich 2:0 gegen Metselar gewonnen. Hatte wohl doch was gebracht. Gut dass ich den Holländer nicht gefragt hab ob er auch wach werden will.

Obwohl ich ja schon beim Hans gesehen hab, wie man aufwachen kann, und ich wirklich dachte ich sei es muss ich gestehen. Beim ersten Men habe ich gemerkt ich träume sogar noch. Irgendwie ist mir das In-Fahrt-Kommen zeimlich schwer gefallen. Beim zweiten Kampf ging es dann und ich habe mich genau wie Hans aus dem Pool in die Finalrunden gemogelt. Crispin hat es leider knapp nicht geschafft, hatte aber auch etwas härtere Brocken als wir (mindestens Tino denke ich – bin mir aber net sicher).

In den Finalrunden hat Hans sich sage und schreibe fast 8 Minuten gegen Jähne gehalten (und wenn man ihn jetzt kennt würde man denken: ok, der Junge hat wieder die ganze Zeit geblockt… ABER NEIN! Wunderschönes Kendo). Er hatte auch die ein oder andere Fahne, leider immer nur eine bis Frank schließlich einen Bilderbuch-Kaeshi-Do zum besten gab und gewann. Mein Kampf gegen Carsten war genau das, wozu ich in Mainz war. Zwar hat mich sein Jodan schließlich schön auseinander geschnitten, aber ich hatte ein ganz gutes Gefühl und auch er hat mich nach dem Kampf gelobt. Bin trotzdem froh um jede Gelegenheit ein Jodan-Shiai mit zu nehmen.

Sieger wurde letztenendes Carsten Leßmann – und verdient war es auch. Danach gab es noch ne Stunde Abschluß-Keiko sowie Prüfungen (welche Manu und Clemens erfolgreich bestanden haben) und dann gab es endlich die Heimfahrt.

Da dachte ich mir abschließend: gut, dass du wegen deiner Müdigkeit und Schlappheit der letzten Wochen doch nicht gekniffen hast (ich habe bei 6 Umzügen in 3 Wochen geholfen – einer davon meiner) und mit warst – hat sich voll und ganz gelohnt.

Und dann komme ich nach Hause und muss mit meinem Mitbewohner noch seine alte Küche abbauen, transportieren und wieder zusammenbauen…

Gott hab ich gut geschlafen danach…

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