Kendotraining zuhause

Da ich gesehen habe, dass durchaus eine gute Hand voll Besucher über die Suchphrasen „Kendo zuhause trainieren“ oder „kendotraining zuhause“ auf meinen Blog stoßen, habe ich mich entschlossen, hierzu mal etwas zu schreiben. Nicht zuletzt deswegen, weil auch in den gängigen Foren zum Thema Kendo immer wieder diese gleichen Fragen/Themen auftauchen (im Großen und Ganzen von mir auf den Kern umformuliert):

– ich bin übermotivierter Anfänger und würde gerne auch zuhause etwas machen, da nur 1x/Woche Anfängertraining ist und ich gerne schneller Fortschritte machen würde

– ich habe nur wenig Trainingseinheiten und würde gerne zusätzlich trainieren

– ich würde gerne generell ergänzendes Ausbautraining zum normalen Training betreiben

Wenn man eerfahrenere Leute fragt oder sich mal im Internet etwas gründlicher umschaut/informiert stößt man bei einem derartigen Anliegen früher oder später auf folgende Aussage: „trainier nicht alleine zuhause, da schleifst du dir nur Fehler ein, die später nur mit viel Aufwand wieder korregiert werden können. Versuche öfters zum Training oder auch in andere Vereine zugehen, wo dich erfahrene Leute anweisen.“
Meines bescheidenen Erachtens halte ich diese Einstellung für grundlegend FALSCH! Kendo besteht nicht nur aus Waza (welche sehr wohl die Instruktionen von erfahreneren Kendoka benötigt), sondern aus vielen anderen Aspekten. Ein Ippon besteht auch nicht nur aus Waza (Technik) sonder setzt sich aus mehrern Faktoren zusammen (Kamae + Seme + Waza + Zanshin) umgeben vom Ki-Ken-Tai-Ichi.
Also mag gerade das Prellen hochmotivierter Anfänger mit einer solch laxen Aussage das dümmste sein, was man seinem Verein antun kann. Warum einen solchen potentiellen Kendoka vertrösten, wenn er doch so viel tun könnte. Im schlimmsten Fall denkt er, er mache keinen Fortschritt und wendet sich einer anderen Sportart zu, wenn er nur einmal die Woche trainieren kann. Es gibt genügend Möglichkeiten sein Kendo auch alleine zu verbessern, auf die ich jetzt zum Teil eingehen möchte.

Bereiche, die durchaus auch ohne spezifische Instruktion verbessert werden können:

– Atmung
– Ausdauer
– Beinmuskulatur
– Bauchmuskulatur
– Konzentration
– Durchhaltevermögen
– Schnellkraft
– Stretching
– Fingerfertigkeit (vor allem in der linken Hand)
– und sicherlich vieles mehr…

Da viele dieser Bereiche auch in breiteren Sportarten von Bedeutung sind gibt es hierfür eine beachtliche Menge an frei zugänglicher Informationen; nicht nur praxisorientiert sondern auch theoretisch und sportmedizinisch betrachtet. Hier ist es für jeden einzelnen mit gesundem Menschenverstand möglich entsprechende Informationen zu filtern und sich ein zusätzliches Trainingsprogramm zum regulären Kendo-Unterricht zusammenzustellen.
Ich möchte nun zu den oben angesprochenen einige Anreize aus eigener Erfahrung und sinnvoller Ideen anderer Leute geben…

Ausdauer
Spätestens nachdem man die Rüstung tragen darf eines der wichtigsten Attribute im Kendo wie ich finde. Angefangen von gesunder und ausreichender Ernährung bis hin zum nicht Rauchen (oder zumindest nicht vor dem Training rauchen 😉 ) kann man schon im Alltag viel fürs Trianing tun.
Zusätzlich dazu würde ich zu Ergänzungssportarten raten. Hervorragend für Ausdauer und Beanspruchung der Kendo-nötigen Muskulatur sind Radfahren und vor allem Schwimmen. Der wohl beste Weg um Ausdauer aufzubauen ist das regelmäßige Joggen, doch ich weis, wie schwer es ist sich dazu aufzuraffen. Wenn man noch alleine dabei ist braucht man schon eine ordentliche Portion Diziplin, um das durchzuziehen. Ich favorisiere Radfahren (etwa zusammen mit einem Freund; und man sieht auch mal bisschen Natur und hat frische Luft) oder eben das Schwimmen (macht auch die Freundin gerne mit und stärkt vor allem die durch ständige Sitzen in unserer Gesellschaft verminderte Rückenmuskulatur, die enorm wichtig ist im Kendo). Ich möchte an dieser Stelle keine unseriösen, ungeprüften Internetquellen angeben, doch einfach mal eine Stunde zum Thema „Ausdauertraining“ in einer gängigen Suchmaschine verbringen, mag genügen Informationen für jahrelanges Training ergeben.

Beinmuskulatur
Starke Beine sind immer gut – egal ob Ober-, Unterschenkel oder Waden. Im Kendo wird die Fußarbeit als wichtigstes Gut hoch gehalten, und das nicht umsonst! Ständig beschleunigen und abbremsen, immer in die Hocke gehen… das wird anstrengend ohne solide Beinmuskulatur!
Auch hier kann man wieder im Alltag beginnen bei den Kleinigkeiten. Vergesst ab jetzt die Fahrstühle (außer ihr arbeitet vielleicht im Wolkenkratzer 😀 ) und nehmt die Treppen als eure neuen Freunde an. Auch das Radfahren kann hier in Kombination mit der Ausdauer helfen. Egal ob mal zur Arbeit/Uni oder Party – einfach mal das Rad nehmen.
Auch Kniebeugen können ein sehr effizientes Training für die Beinmuskulatur sein, doch hier sollte auf exakt korrekte Ausführung wert gelegt werden. Auch sollte man sich bewusst sein, ob man anaboles Training (für den Muskelaufbau) oder Ausdauertraining betreibt. Es sei nur kurz erwähnt, dass wegen der im Kendo extrem benötigten Schnellkraft permanentes (!!! als wirklich ausschliechliches !!!) anaboles Training dem Zweck undienlich ist, da die Muskeln lernen, langsam zu reagieren!
Ein kurzes knappes Video zur richtigen Ausführung von Kniebeugen:

Kniebeugen können auch durch Kurz- oder Langhanteln ergänzt werden.

Eine weitere nette Übung für die Beinmuskulatur zuhause, die ich gerade gefunden habe, möchte ich euch nicht vorenthalten. Hier kann keiner sagen, dass er die benötigten Teile nicht hätte 😀 :

Bauchmuskulatur
Ebenso wichtig wie eine verbesserte Rückenmuskulatur ist auch eine verstärkte Bauchmuskulatur im Kendo sehr wichtig.
Eine sehr schönes 10 Minuten Übungsprogramm findet ihr in folgendem Video (es ist sehr gut, auch wenn eine längere Hose für mehr Seriösität geführt hätte):

Konzentration
Dies ist sicherlich ein Punkt, den man permanent und immer wieder im Alltag beachten kann. Sich einfach mal auf eine Sache konzentrieren zu können ist dabei nicht nur im Kendo sondern im ganzen Leben von Vorteil. Einfach mal versuchen, eine Sache nach der anderen zu tun klingt vielleicht lächerlich, ist aber gar nicht so einfach wie man denkt. Oft genug vernachlässigen wir in unserer Schnell- und Termingesellschaft diesen Punkt und erwischen uns beim Essen im Gehen, vor dem Fernsehr oder im Bett mit Gedanken an Autos (habe ich gehört…).

Durchhaltevermögen
Gerade wenn die Ausdauer nachlässt, gilt es diesen Rückgang mit Willenskraft auszugleichen und nicht einfach schnell aufzugeben. Dies ist ein im Kendo gelehrter Punkt, der sich automatisch auch auf das alltägliche unterbewusste Verhalten ausübt und uns so indirekt unterstützt. Eine super Übung hierfür ist das Sitzen im Seiza. Gerade Anfänger tun sich sehr schwer damit, und jedem Kendoka sind nach knapp 60 Sekunden die Beine vor Schmerz abgefallen, als er es zum ersten mal machen musste. Es ist beispielsweise überhaupt kein Problem im Seiza ein Buch zu lesen oder ein bisschen fern zu sehen. Sollte man keinen Teppichboden haben, kann man auch zu Beginn ein flaches Kissen unter die Knie legen, um sich an die Position zu gewöhnen. Es macht ganz besonderen Eindruck auf die anderen Kendoka im Verein, wenn man als Anfänger nicht nach 20 Sekunden anfängt wie blöde mit schmerzverzerrtem Gesicht rumzuzappeln und zu hoffen, das es bald vorbei ist 😉
Hierzu sogar ein Kendo-spezifisches Video:

Schnellkraft
Die explosive Schnellkraft ist das, was uns in Kombination mit Gelegenheit und Technik unsere Geschwindigkeit verleiht. Leider sind meine Unterlagen ziemlich dürftig auf diesem Gebiet. In einem Gespräch einigen Sportmedizinern habe ich erfahren, dass eine fallende Liegestüze gegen die Wand mit sofortigem Abdrücken gut für die Schnellkraft der Brustmuskulatur ist. Falls jemand diesbezüglich genauere Informationen oder Überungen hat, darf er mich gerne kontaktieren oder diese auch hier veröffentlichen.

Stretching
Ich denke hier brauche ich nicht viel zu erzählen. Jeder der in der Schule mal am Sportunterricht teilgenommen hat, weis wie man die Grundmuskulatur dehnt. Hier darf ich keine großen Worte verlieren, da ich nicht mal selber meine Zehen greifen kann, doch jeder kann für sich im Trainging darauf achten, welche Muskelpartie im Training am intensivsten Belastet wird, und wo weiteres Stretching zuhause durchaus sinnvoll wäre.

Fingerfertigkeit der linken Hand
Der Graus für Rechtshänder, aber es muss sein. Probiert:

  • einen Kneltball aus dem 1 € Shop in die linke tasche zu stecken und beim Laufen ein bisschen zu kneten
  •  geht auch mit 2 Kastanien, die in der Tasche gegeneinander gerollt werden
  •  mal beim Essen das Besteck vertauschen
  • Flaschen mit links öffnen (Schraubverschluss, Korkenzieher, und Flaschenöffner!)
  •  die Maus am PC ab und zu mal mit der linken Hand bedienen
  •  mit links die Zähne putzen
  •  und vieles mehr…

So, jetzt hane ich mir erst mal die Finger wund geschrieben. Sicherlich wird der ein oder andere Kendoka noch andere Möglichkeiten des zusätzlichen Traingings erdacht haben. Deswegen der Tipp gerade an die unerfahreneren und auch Anfänger: sprecht mit den anderen Kenshi. Wenn ihr euch im Dojo nicht traut, dann auch gerne beim Bier danach. Jeder wird aufgeschlossen und hilfbereit seit. Wenn euch die ganz oben angesprochene Phrase an den Kopf gehauen wird, dann fragt ganz objektiv, mit welcher Art Training man Kendo denn ERGÄNZEN kann. Viele der Erfahreneren kennen die Anfänger, die zuhause die Shinais falsch schwingen und sind deswegen von Grund auf erst mal zurecht skeptisch, wenn es darum geht allein zuhause zu trainieren. Macht also euch und den anderen klar (was ich auch nochmal betonen möchte), dass es um ERGÄNZENDES AUFBAUTRAINING ZUM UNTERSTÜTZEN DES KENDO geht und nicht um geheime Schlagtechniken, die ihr den anderen Anfängern vorweg trainieren könnt.

So jetzt langt es erst mal…
PS: Künftige Bewertungen meiner Artikel wären recht nett von der Community!

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